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Ein Fest für Maria

drehpunkt.kultur 16/08/17 Bernhard Paumgartners Meinung, Mozart habe für Maria Plain die „Krönungsmesse“ komponiert, hieß ihn den Ort einst für Konzerte aktivieren. Die Salzburger Bachgesellschaft führte die Idee jahrzehntelang weiter – diesmal übersiedelte sie nach Mülln.

Von Horst Reischenböck

Die Wallfahrtskirche der Stadt wäre übrigens ohnedies nicht Maria Plain sondern Loreto, allerdings zu intim und zu verschlossen für musikalische Darbietungen. Das Programmheft informierte, dass der italienische Wallfahrtsort selbigen Namens zu Vertonungen von Litaniae Lauretanae anregte. Wie zu diesem Anlass jene frühe in B-Dur von Johann Michael Haydn von 1765 MH 88. Er stand zusammen mit Wolfgang Amadé Mozart als lokales Dioskurenpaar der Musik im speziellen Blickwinkel des gut einstündigen Programms am Dienstag (15.8.).

Schon optisch passt die barocke Pracht des Innenraums der ehemaligen Kloster- und jetzigen Pfarrkirche mit ihrer ikonografischer Aussage dazu. Ist sie doch „Unserer Lieben Frau Mariae Himmelfahrt“ gewidmet. Es gibt weitere Bezugspunkte, etwa dass Michael Haydn im benachbarten Gasthof Zum weißen Schwan vulgo Krimplstätter logierte und auch die Mozarts im damaligen Vorort verkehrten.

Es lag also auf der Hand, sich gleichsam ortsbezogener Musik zu bedienen. Die Wahl fiel vorerst intim schlicht auf Wolfgangs Offertorium de Beate Virgine „Alma Dei Creatoris“ F-Dur KV 272a (277) und führte weiter zu des Salzburger Haydns Ave Maria in derselben Tonart MH 72. Danach als erster Höhepunkt eben dessen prächtig glänzend in fünf Teile gegliederte Litanei. Deren Agnus Dei beschließt ein „miserere nobis“, anders als die Bitte um Frieden am Ende einer Messkomposition.

Hauptwerk war, mit Trompeten, Posaunen und Pauken auftrumpfend, die so genannte „Große Credo-Messe“ in C-Dur KV 257. Acht da hinein hat Mozart unüberhörbar jenes ihm eigene Vier-Noten-Motiv hinein gepackte, das ihn seit sinfonischen Anfängen verfolgte.

Vom Mozart-Gedenkjahr 1991 datiert eine immer noch seitens der Bachgesellschaft erhältliche, hörenswerte Aufnahme, bei der, so wie diesmal erneut, nach dem Gloria die festliche Kirchensonate KV 278 gespielt wurde. Albert Hartinger sang damals übrigens noch die Basspartie.

Als ambitionierter Leiter und Dirigent formte er mittlerweile das Collegium Vocale zu einem Ensemble von Rang. Voll beeindruckender Homogenität, bekräftigt in Haydns Offertorium pro festo SS Trinitatis „Tres sunt“ MH 183 und eingeschoben zwischen Credo und Sanctus der Mozart-Messe. Mit seinen kontrapunktischen Finessen ein viel zu selten zu hörendes Meisterwerk, das der Chor plastisch durchhörbar vortrug.

In solchen Fällen bewährt sich dessen relativ kleine Besetzung, aus deren strahlenden Sopranen Marcia Sacha und Donata Meyer-Kranixfeld für einzelne Aufgaben herausklangen. Benjamin Sattlecker (Bass) ausgenommen, waren die Solisten Studenten Hartingers, außerdem Sohn Virgil in gewohnter Weise als Tenor und der verlässliche Altus von Marcus Blöchl. Sie alle wurden getragen vom dazu genauso perfekt tönenden Fundament des Salzburger Barockensembles. Ein Fest, das gedankliche Besinnung nach sich zog und erst dann in Dankesjubel umschlug.