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Ein Muttergottes-Dienst

17/08/15 Das traditionelle August-Konzert der Salzburger Bachgesellschaft gehört gleichzeitig zur Reihe „Musiksommer zwischen Inn und Salzach“: Für „Mozart in Maria Plain“ rückte man diesmal die „Piccolomini“-Messe C-Dur, KV 258 in den Blick.

Von Elisabeth Aumiller

„Wir wissen nur, dass Vater und Sohn Mozart im August 1174 gemeinsam in Maria Plain musiziert haben, aber welches Werk sie aufgeführt haben, ist uns nicht bekannt“, erklärte der musikalische Leiter Albert Hartinger zu Beginn. Zur Messe, die Mozart 1775 komponierte, merkte er an: „Woher der Name Piccolomini stammt, ist unklar, aber ganz sicher hat er nichts mit dem Adelsgeschlecht der Piccolomini zu tun. Vielmehr ist anzunehmen, dass er sich aus Missa piccola, die kleine Messe, wie die Missa brevis auch genannt wird, ergeben hat.“ Die C-dur -Messe gelte als anschauliches Beispiel für den Salzburger Kirchenkompositionstypus, der dem Gebot der Kürze von Fürsterzbischof Graf Colloredo Folge leistet. „Mozart erreicht mit dieser Messkomposition ein Maximum an formaler Einheit und theologischer Aussage“, lautet dazu der Hinweis im Programmheft.

Mit der festlichen „Toccata secunda“ von Johann Ernst Eberlin eröffnete Michaela Aigner auf der großen Orgel das Programm. Der mächtige Orgelklang von der Empore füllte den Kirchenraum als ein perfekter Vorbote zum gesamten Konzert, das sich als Symbiose von Klang und Raum erwies: Die klingende Komponente der aufgeführten Werke polierte die Optik auf zu lebendigem Leuchtglanz und der üppige Zierrat im Kircheninnern in seinem prunkvollen Funkeln und Glitzern gab der musikalischen Formulierung noch mehr festliches Gepränge. Ein authentisches Musikerlebnis.

Die Stimmen des Collegium Vocale der Bachgesellschaft in ihrer klaren und feinen Ausgewogenheit verhalfen dem Offertorium „Venite Populi“ von Matthias Sigismund Biechteler, dem „Regina Coeli“ von P. Udalricus Endholzer und der „Lauretanischen Litanei“ von Michael Haydn unter der Leitung von Albert Hartinger zu einer Art „jungfräulicher“ Festlichkeit. Instrumentale Unterstützung erfuhren sie vom auf Originalinstrumenten kompetent musizierenden Salzburger Barockensemble: mit Konzertmeister Frank Stadler und Martin Hebr an den Violinen, Sepp Radauer am Violone, den Trompetern Bernhard und Martin Mühringer und an der Pauke Rizumu Sugishita sowie Michaele Aigner am Orgelpositiv. Es war ein stimmiges Jubilieren ohne Eitelkeit oder Zurschaustellung, ein „Muttergottes-Dienst“, der hinführte zum Zentralpunkt des Programms, zur Mozart-Messe. Polyphones Raffinement, solistische Einschübe in den Chorsatz, eine kurze Modulation nach c-Moll, ein tragendes Fugato, das in einen homophonen Schluss mündet, zeigten unter anderem Mozarts Meisterschaft, die von den Ausführenden gebührend feierlich und doch auch innig schlicht ausgeführt wurde. Das Kyrie war etwas breiter angelegt, während das Gloria recht zügig voranschritt. Die Musiker formten die Messteile zu einer Einheit, in der sie sich wechselweise ergänzend eng aufeinander bezogen. Als Einschübe glänzten zum Graduale die Instrumentalisten mit Mozarts Kirchensonate C-Dur, KV 263 und zum Offertorium geriet das „Ave Regina Caelorum“ von Johann Michael Haydn zu einem Extrahighlight. „Ave, Königin des Himmels, Herrscherin der Engel“ sang Rowan Pierce geradezu mit Engelsstimme.