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Freunde und Kollegen – Abendmusik

19/10/15 Graupner, Telemann, Bach waren seinerzeit Kollegen. Heute gilt Bach als Meister, die anderen in seinem Schatten. Das ist ein bisschen ungerecht. In der Abendmusik der Bachgesellschaft konnte man im stimmigen Rahmen der Pfarrkirche Mülln konnte viele kleine Pretiosen erleben.

Von Christiane Keckeis

Ganz liturgisch passend erklangen mit Heinrich Graupners „Gott erbarmt sich armer Sünder“ und Bachs „Schmücke Dich, o liebe Seele“ zwei Kantaten zum 20. Sonntag nach Trinitatis. Das klein, aber fein besetzte Collegium Vocale der Bachgesellschaft und das nicht minder erlesen bestückte Barockorchester der Universität Mozarteum taten sich unter der bedachten Leitung von Alfredo Bernadini zusammen. Die sorgfältige Art des Musizierens, die Ernsthaftigkeit in der Auseinandersetzung und die Freude am weniger Bekannten verbindet die beiden Ensemble und macht das Ergebnis erquicklich für die Zuhörenden.

Graupners Kantate ist im Vergleich zu Bachs Kantaten schlichter, kürzer und sehr am Text orientiert. Fein und kultiviert klingt das Orchester, der Chor phrasiert deutlich und tendenziell kurz mit sehr guter Textverständlichkeit. Auch die Solisten bemühen sich um die Sprache, besonders der Bassbariton Benjamin Sattlecker fällt mit seiner wunderbar natürlichen, ausdruckssstarken Rezitativgestaltung auf. Auch beim großen Schlusschoral fällt Bernardinis Tendenz zu kurzer Wortartikulation auf, etwas zu Lasten des großen Bogens sinnstiftender Einheiten. Unaufgeregt fließen darunter die Verzierungen der hervorragenden Oboen.

Telemanns Concerto à 7 in a-moll erfreut in der aparten Besetzung von zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Violinen und Basso continuo. Beweglich dialogisieren Flöten, Oboen und Violinen, unterstützt von einem herrlich lebendigen, sprechenden Continuo, der in seiner Spielfreude manchmal Gefahr läuft, die Flöten in den Hintergrund treten zu lassen.

Vor der gleichnamigen Kantate steht der Choral „Schmücke Dich, o liebe Seele“ in der Bachschen Orgelfassung auf dem Programm: die junge Organistin Ana Glušič wählt zu Beginn ein sehr flüssiges Tempo, das sich im Verlauf etwas verliert. In der eher direkten Registrierung wirkt ihr Zugang zupackend, weniger fein, gelegentlich ein bisschen eckig.

Im Gegensatz dazu der musikalische Ansatz zur Kantate, da wird fein ziseliert musiziert: im Anfangschor zieht der Sopran klangschön die Chorallinie über die mit Leichtigkeit hüpfenden anderen Stimmen. Fast ein wenig fürwitzig gestaltet die lebendige Traversflöte mit schönem Ton den Dialog mit dem Tenor in der Arie „Ermuntre Dich“, auch hier sei noch einmal der impulsgebende Continuo hervorgehoben. Alexander Rewinski singt unmanieriert mit hellem Tenor völlig gelassene Koloraturen. Dass der Text gelegentlich ein wenig haspelt, mag dem Tempo geschuldet sein. Rea Alaburič hat in ihrer emotionalen Ausdruckskraft Talent für die Bühne, die Stimme der jungen Sopranistin überzeugt mit schönem Timbre, ist aber fast noch zu leicht für Bachs Arien. Mit Armin Gramer findet sich ein klangvoller Altus für das Rezitativ – und auch Benjamin Sattlecker überzeugt mit beweglichem intelligenten Ausdruck auch bei Bach. Im Schlusschoral setzt der Chor ein klangliches Sahnehäubchen, das allenfalls durch die sehr kurze Artikulation einen Hauch Süße verliert.