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h-moll-Messe

28/03/18 HEIDEMARIE KLABACHER (drehpunkt kultur)

Erfüllt Himmel und Erde - aber wie!

Die unzähligen Flügel der Cherubim und Seraphim rauschen nur so, wenn sie zum „Sanctus“ anheben – mittels Collegium Vocale und L’Orfeo Barockorchester unter Michi Gaigg. Strahlend steigt der Lobpreis auf. Erd’ und Himmel sind erfüllt von dieser Herrlichkeit? Locker! Dafür sorgen neben glasklaren Stimmen auch die glitzernden Trompeten.

Johann Sebastian Bach und die „Hohe Messe in h-Moll“. Man erstarrt vor Ehrfurcht und erwartet sich brokat-steifen Prunk. Ein wenig verschossen und abgewetzt. Wie alte Paramente im Museum Zeugen einer prächtigen, doch gründlich vergangenen Zeit? Keineswegs. Man müsste den Prunk nur zu tragen – und die darunter geborgene Botschaft – zu vermitteln wissen: Dann gäbe es nichts Packenderes und Faszinierenderes als katholische Grandezza. Das wusste auch der protestantische J. S. Bach. Nicht umsonst ist dieser immer wieder ausgegrast in katholische Gefilde. Erst jüngst etwa bescherte das „BachWerkVokal“ die Begegnung mit Bachs Paraphrase auf die Sequenz „Stabat Mater“, welche selbst den Katholen seit jeher zu katholisch und daher immer von der Abschaffung bedroht ist.

Die „Hohe Messe h-Moll“ ist dagegen ein ganz anderes Kaliber, nicht nur die wohl großformatigste Vertonung des lateinischen katholischen Ordinariums, sondern auch Summe und abschließender Höhepunkt des vokalen Schaffens von Johann Sebastian Bach. Gegen Ende seines Lebens stellte Bach verschiedene Messteile, die er zwischen 1724 und 1749 komponiert hatte, zu einer vollständigen katholischen Messe zusammen. Im Konzert braucht BWV 232, mit Pause, zweieinhalb Stunden. Nun also am Dienstag (27.3.) h-Moll Messe im Großen Saal des Mozarteums. Unter der Leitung von Michi Gaigg spielte das L’Orfeo Barockorchester, sangen das Collegium Vocale Salzburg, einstudiert von Albert Hartinger, sowie die Sopranistinnen Ulrike Hofbauer und Anna Willerding, die Altistin Margot Oitzinger, der Tenor Virgil Hartinger und der Bass Rafael Fingerlos.

Blieb der erste Teil - Kyrie und Gloria, die allein eine Stunde Spielzeit erfordern – in Tempo, Agogik und gestalterischem Ausdruck bei aller Präzision im Orchester und Textdeutlichkeit im Chor eher statisch, erfüllten die Ausführenden ab dem Credo den Saal und die Herzen mit Jubel.

Nicht nur das von Rafael Fingerlos virtuos gesungene und von den Oboen fein umrankte „Et in spiritum sanctum“ war von strahlender Präsenz. Das Sanctus ließ, wie oben geschildert, das Flügelrauschen der lobpreisenden Engel geradezu hörbar werden. Mysteriös, geheimnisvoll und dann - schon wieder - strahlend, die Erwartung der Auferstehung. Das Osanna war des Einzugs eines jeden Religionsgründers in Jerusalem würdig. Ebenfalls glasklar gestaltet hat Virgil Hartinger das Benedictus. Das Solisten-Duett „Domine Deus“ für Tenor und Sopran, zusammen mit Ulrike Hofbauer, war schon ein Höhepunkt im Gloria. Das vom L’Orfeo Barockorchester samtig und federnd begleitete Agnus Dei von Margot Oitzinger - eine weit gespannte bewegende Kantilene. Die strahlenden Trompetenklänge funkelten mit Goldstuck und Kristall-Lustern im Großen Saal siegreich um die Wette. Das Collegium Vocale der Salzburger Bachgesellschaft überzeugte einmal mehr mit Transparenz, Textdeutlichkeit und Homogenität.

Die aktuelle gemeinsame Tournee von L’Orfeo Barockorchester und Collegium Vocale Salzburg mit der h-Moll Messe unter Michi Gaigg führte über Linz, Meran, und Brixen nach Salzburg - eine weitere Aufführung folgt am Donnerstag (28.3.) bei den „Stillen Nächten Lungau“ in Tamsweg, der Heimatgemeinde von Rafael Fingerlos - www.lorfeo.com