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Zum Verrücktwerden und Staunen schön

15/01/16 Lupenreine Intonation, makellose gesangliche Harmonie und Perfektion in der textlichen Artikulation: Wenn man ein Konzert der King´s Singers besucht, weiß man, was einen erwartet. Dennoch bricht immer wieder das große Staunen aus: Wie schaffen die sechs Herren das nur?

Von Christiane Keckeis

Die Bachgesellschaft lud zum Saison-Highlight in der Großen Aula und The King´s Singers kamen, sangen und siegten schon mit dem ersten Programmteil: Minne à la Renaissance, italienisch und englisch, „Il Trionfo di Dori and The Triumphs of Oriana“, bildete den Anfangsblock.

Mit strahlendem Lächeln machen die sechs klar, dass dieser Minnedienst jeder einzelnen im Publikum gilt. Wie viele Herzen da allein durch den sympathisch-charmanten Auftritt höher schlagen – einnehmend beschreibt es wohl am besten. Musikalisch gestalten sie durchsichtigste Polyphonie, singen sich zusammen, die Führung wechselt hörbar und bewusst, ein nach Vor- und Zurücktreten der Stimmen, um dann in kurzen homophonen Abschnitten wieder zu verschmelzen, Phrasierungen mit gemeinsamem Atem – Herz, was begehrst Du mehr?

Die Überhöhung der Dame, sei es die italienische Dori oder die englische Oriana (ein Pseudonym für die Königin) kommt nicht nur in der Sorgfalt der Gestaltung zum Ausdruck, sondern auch im andächtigen Erstarren der Herren im jeweils reinsten Schlussakkord: die Blicke nach oben gerichtet, ein Moment des Innehaltens vor so viel Schönheit. Das wirkt (fast) nicht inszeniert, sondern ergibt sich nahtlos als Folge aus der poetisch-musikalischen Anbetung.

Ein Zeitensprung zu Camille Saint-Saens, der Stilwechsel ist mühelos: dichteste Harmonien und Klänge von unglaublicher Schönheit. Die Ruhe „choses tranquilles“, der „Calme des nuits“ wird hörbar, mit Gänsehautcharakter. Und wieder ein Stilwechsel hin in die Moderne. John McCabe hat mit „Scenes in America Deserta“ (1986) eine Tonmalerei für sechs Stimmen geschaffen, die die Wüste in Klangfarben lebendig werden lässt, das Wispern des Salzes in der rhythmischen Sprache – und von den Sängern ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit, Gestaltungsfreude, Farbgebung und rhythmischer Perfektion fordert. Aber es sind The King´s Singers – und die machen das perfekt. Natürlich.

Sie lassen die Zuhörenden keinen Moment aus und schaffen mit der eigenen Konzentration das Publikum eine Viertelstunde lang mitzunehmen durch einen Wüsten-Bilderbogen. Da kann keiner aus. Das Wispern des Salzes in der Sprache, das Flimmern der Hitze durch schwebende Intervalle, die Unruhe der Wasserspeier durch schnell rhythmisch versetzte Phrasen, die Farben des Lichts in Klangteppichen, Harmonien zum Verrücktwerden schön, das Verklingen im absoluten Nichts: Das ist höchste Kunst in der Umsetzung und hat mit klassischer Chormusik nichts mehr zu tun. Verzauberung pur.

Nach der Pause dann ein Streifzug durch die Welt. Lieder aus Frankreich, England, Südafrika, USA, Deutschland alle in spannenden Arrangements. Und auch hier: perfekt im Stil, mit all den wunderbaren musikalischen Qualitäten, die den King´s Singers eigen sind. Beim italienischen „Volare“ hält es das Publikum schon kaum mehr in den Sitzen. Feiner Humor, sparsam aber punktgenau eingesetzte Gesten, Mimiken: Es braucht auch im Unterhaltungsbereich keine aufgesetzte Bühnenshow, kein Anbiedern, um ein Publikum zu fesseln. Locker wirkt das – und so, als ob die sechs selbst einen Heidenspaß daran haben.

Ein bisschen American Songbook, ein bisschen Pop, eine sympathische Moderation, die der Mann mit dem strahlendsten Lächeln (ein echter Mädchenschwarm) in nahezu perfektem Deutsch frei und frisch übernimmt – es ist schließlich kein Wunder, dass das Publikum die Herren nicht und nicht ziehen lassen will. Die drei Zugaben zeigen noch einmal die stilstische Vielfalt und Wandlungsfähigkeit des Ensembles: von Rossinis Barbier-Ouverture über das irische „Dannyboy“ bis hin zu „I´m a train“. Stupend oder, wie es im Publikum von vielen Seiten zu hören war, „ein Wahnsinn