Logo Salzburger BachgesellschaftSalzburger Bachgesellschaft

Kopf-Bereich

Hauptinhalt

King’s Singers

19/10/18 Die Bachgesellschaft lud zum Goldenen Jubiläum in die Große Aula. Im 50. Jahr erinnern die smarten Jungs eher an eine (edle) Boygroup erinnern und erfüllen jeden Wunsch, den man an ein männliches Vokalensemble und an die Institution „King's Singers“ haben kann.
Von Christiane Keckeis

Die neue Formation der Kings Singers schließt nahezu nahtlos an den Klang und die Balance der vertrauten „alten“ an und so sehr man das Ausscheiden mehrerer verdienter Mitglieder bedauert hat, so sehr darf man sich (nicht nur) über die letzte Neubesetzung freuen. Patrick Dunachie, 25 Jahre alt, der in die Fußstapfen des fast legendären Countertenors David Hurley tritt, erfüllt die neue Rolle mit weicher, feiner, obertonreicher Stimme und mit schüchternem Charme. Das Programm entnahmen sie ihrer „Gold“-Edition, sozusagen einem Best of Kings-Singers Repertoire.

Der erste Teil widmet sich klug thematisch und charakterlich abgemischt der Renaissance und gerät nicht selten zur Solarplexus-Massage: wunderbar intoniert gehen die Harmonien im Saal auf und verbreiten in ihrer Stimmigkeit Wohlbefinden, beispielsweise bei Palestrinas Pulchrae sunt genae tuae, Orlando di Lassos Musica Dei donum, Monteverdis Si ch´io voi morire. Bei Alonso Lobos Versa est luctum findet sogar nicht enden wollende Trauer in der Schönheit der Harmonien Erfüllung.

Aber es wären nicht die Kings Singers, wenn es nur ruhig und ernst zuginge. Der augenzwinkernde Humor der Briten kommt auch in der Programmwahl zum Zug: Gustostückerl wie Orlando di Lassos Chi Chilichi? oder Claude Le Jeunes Revecy venir du Printemps lassen die sechs Sänger im klanglichen Farbenreichtum zu lebendigsten Erzählungen werden – und mit dezent, aber effizient eingesetzter schauspielerischer Begabung wird die Szenerie noch eine kleine Spur plastischer. Ganz ohne Übertreibung.

Fast unbeschreiblich sind auch die hunderterlei Details: hier ein herausgearbeiteter Leitton inmitten der Polyphonie, da ein Crescendo im dann abrupt abbrechenden Schlussakkord, hier eine dezente Textauslegung (wie beispielsweise beim musikalischen Orgasmus in Monteverdis Si ch´io voi morire), da eine dynamische Steigerung, die wie ein natürliches Wachsen wirkt. Nichts erscheint gewollt, gemacht oder gar angestrengt, es ist einfach nur „richtig“ – und Musik.

Der zweite Teil erfreut weitgehend mit Moderne, von Bob Chilcott über Toby Hession bis zu Paul Simon, wo alle Herren auch eindrücklich ihre Soloqualitäten beweisen: Jonathan Howard, überzeugt nicht nur mit seinem unwiderstehlichen Lächeln, sondern vor allem mit rundem und sehr profundem Bass. Wunderbar der offene, weiche und doch kernige Tenor von Julian Gregory (50 ways to leave your lover). Christopher Bruerton verführt mit warmem, auch pop-tauglichem Bariton. Timothy Wayne-Wright, der zweite Counter, zeigt seine Vielfalt als Beatboxer und schauspielbegabter Komiker des Sextetts. Er wird ebenso wie Christoph Gabbitas, der zweite Bariton, das Ensemble 2019 verlassen, schade.

Zwei Zugaben waren nicht genug, da hätte man durchaus noch länger zuhören mögen. Aber irgendwann müssen die Jungs ja auch ihre Cds verkaufen.