Logo Salzburger BachgesellschaftSalzburger Bachgesellschaft

Kopf-Bereich

Hauptinhalt

RECREATION 2016

26/09/16 Ein kleines, feines Lokal-Festival steht bis 16. Oktober unter dem Titel „salzburgs verlorene söhne & töchter“. Der rundum gelungene Auftakt brachte ein Wiedersehen mit dem Dirigenten Howard Arman: Mit ihm erinnerte die rührige Bachgesellschaft an den anno 1815 noch „ins Ausland“, nach Wien, „emigrierten“ Ignaz Assmayr.

Von Horst Reischenböck (drehpunkt kultur)

Kirchenmusikfreunde kamen rund um den Tag von Salzburgs Landespatron (24. 9.) voll auf ihre Rechnung. Am Landesfeiertag gelangte zum Hochamt im Dom Luigi Gattis Rupertimesse zur Aufführung, Salzburgs letzter Hofkapellmeisters in Diensten eines regierenden Fürsterzbischofs und Vorgesetzter von Leopold Mozart. Die Franziskanerkirche folgte Sonntag mit der Es-Dur-Messe von Anton Diabelli.

Der Abend desselben Tags (25. 9.) war im Großen Saal des Mozarteums dazu angetan, Querverbindungen herzustellen. Einmal in der Wahl von Werken dreier Tonschöpfer, die alle bei Antonio Salieri studierten. Einer von ihnen, Joseph Edler von Eybler, war mit Mozart zumindest befreundet – Wolfgang sah in ihm „einen gründlichen Komponisten, sowohl im Kammer-, als Kirchenstyl gleich geschickten, in der Singekunst ganz erfahrenen ...“ Der übrigens auch Orchesterergänzungen in Mozarts Requiem-Autograf eintrug: Bei einer Aufführung von diesem ereilte Eybler 1833 dann ein Schlaganfall, der seine K.k. Hofkapellmeister-Tätigkeit als Salieris Nachfolger beendete.

Als Regens chori bei den Wiener Karmeliten und 30 Jahre am Schottenstift tätig hinterließ er eine Fülle sakraler Werke. Messen, ein Requiem, auch kleinere: als Beispiel stieg Sopranistin Taryn Knerr mit virtuoser Koloratur in das „Omnes de Saba venient“ ein, gefolgt von „Reges Tharsis“, in deren Schlussteilen sich Eyblers kontrapunktische Kunst voll entfaltet zeigte. Albert Hartinger hatte das diesmal auf 24 Vokalisten aufgestockten Collegium Vocale der Salzburger Bachgesellschaft erneut vorzüglich einstudiert, und dazu assistierte das neu formierte Camerata-Consort: von Konzertmeister Werner Neugebauer angeführte Mitglieder der Camerata Salzburg, die damit erstmals ihr Können auch auf historischen Instrumenten vorführten. Ein gelungenes Debüt der elf angetretenen Streicher, in die sich die Bläserklänge dahinter exzellent einmischten.

Animiert wurden die vokalen und instrumentalen Gruppen durch Howard Arman, der vom Salzburger Bachchor und MDR-Chor Leipzig nun zum Chor des Bayerischen Rundfunks München wechselte. An diesem Abend engagierte er sich für Ignaz Assmayr, der Eybler als Hofkapellmeister beerbte. Trotzdem ist von Assmayr (einemMichael-Haydn-Schüler) als Komponisten außer seiner an erster Stelle stehenden Charaktervariation über den Diabelli-Walzer so gut wie nichts bekannt. Assmayrs Große Festmesse in Es wirkt im zeitlichem Umfeld vielleicht anachronistisch, weil nicht in Salieris Ansicht „bizarr“. Sie ist für die Ausführenden jedoch wirkungsvoll und von praktikablen Ausmaßen, in diesem Fall dankbar auch für Christine Müllers Alt und den profunden Bass von Stefan Zenkl. Allerdings gelangte diese Messe nicht, wie im Programmheft zu lesen, erst jetzt zur „Wiedergeburt“ durch eine Erstaufführung. Sie wurde , sondern wurde bereits zur 700-Jahrfeier der Pfarre Mülln gesungen, in nächster Nähe zu Assmayrs Geburtshaus.

Nachdem sich schon zuvor Taryn Knerr und Tenor Virgil Hartinger in Franz Schuberts „Auguste jam coelestium“ D 488 verströmten, band Howard Arman ein frühes Graduale und Offertorium ein und endete mit dem „Tantum ergo“ D 962: Langanhaltend bejubelt.